Studienreise mit der Deutschen Wein- und Sommelierschule ins Veneto

Die Bildungsreise von Teilnehmern der aktuellen Sommelierkurse der Deutschen Wein- und Sommelierschule Koblenz und einigen ehemaligen Kursteilnehmern der Schule vom 21. bis 24. Oktober 2012 nach Norditalien, genauer gesagt in die Regionen Veneto, Lombardei und Friaul, wurde auch dieses Jahr wieder organisiert und begleitet von Italiendozent Stefano Cresceri. Nach der sehr gelungenen Bildungsreise in die Toskana waren zwar große Erwartungen da, aber selbst die Teilnehmer die beide Reisen erlebten wurden nicht enttäuscht! Alleine die 4 Tage Königswetter bei herrlich warmen Temperaturen, blauem Himmel und Sonnenschein waren eine Reise wer…

 

Das Programm der Bildungsreise durch Norditalien sah wie folgt aus:

Sonntag, 21. Oktober 2012

Auf dem Hinflug genießen wir eine wunderschöne Aussicht mit traumhaftem Bergpanorama bei schönstem Wetter und klarer Sicht auf Alpen und Dolomiten. Die Herzen der Bergfreunde unter uns schlagen höher…

Wir besichtigen die Kellerei in Puegnago del Garda und werden durch die Keller geführt. Sie erklären uns die Weinherstellung und die damit verbundene Philosophie im Weingut. Das Weingut hat eine Jahresproduktion von etwa 600.000 Flaschen, als große Spezialität gibt es hier an der Westseite des Gardasees den Marzemino, wir befinden uns ja schließlich in der Lombardei. Wir lernen die Unterschiede der regionalen Weinbauappellationen kennen und bekommen von den Kontrollmechanismen erzählt,  im Anschluss bekommen wir in dem benachbarten Olivenhain die Olivenölproduktion erläutert und verschieden Olivenbäume und -sorten gezeigt.

Verkostung:

Lugana Brut, frisch fruchtig, 12-18 Monate auf der Hefe

2011 Lugana, floral, leicht, frisch, Grün und vegetabil.

2011 Chardonnay, nussig mit viel frischer Würze, beliebig und international ohne auffälliges Profil.

2011 Garda Classico Chiaretto, Erdbeere pur.

2011 Garda Classico Groppello Rosso, fruchtig und herb im Geruch. Brombeere. Lecht und reduktiv ausgebaut.

2011 Rebo (Teroldego x Merlot), leichte UTA-Note, reife Pflaume, gehaltvoll.

2011 Garda Marzemino, beerdige Frucht, Schwarzkirsche, kaum Tannin, weich.

2010 Garda Classico Rosso Superiore, ein wenig Holz in der Nase, Tabak. Kaum Primäraromatik vorhanden, ein wenig jung.

2008 Garda Classico Rosso Superiore Privilegio, rumtopfaromatik, brandig.

(Die Notizen zu den Weinen stammen aus den Reihen der Teilnehmer)

 

Montag, 22. Oktober 2012

Unsere Unterkunft (Hotel Olivi), im malerischen Städtchen Sirmione auf der Halbinsel im Gardasee gelegen, mit herrlichen Sonnenaufgängen überm Gardasee die man (zumindest einige von uns) vom Bett aus bestaunen konnte ist eine besondere Erwähnung wert.

Wir machen einen ausgiebigen Rundgang durch die Distillerie mit Erläuterung der Grappaherstellung und gesetzlichen Vorgaben. Während unseres Besuchs ist die Produktion in vollem Gange, so kommen wir in den Genuss einzelne Arbeitsprozesse miterleben zu dürfen. Abschließend standen sämtliche Produkte zur freien Verkostung bereit. Es gibt neben Grappa auch Liköre und mehr.

 

…wird seinem Namen gerecht: traumhafte Aussicht!

Unser Guide durch die Keller von Bellavista ist Roberta. Roberta ist schick, modern und professionell. Sie führt scheinbar regelmäßig Gruppen durch das Weingut und ist fließend mehrsprachig (wir einigen uns erst auf Englisch, dann auf Italienisch), Zu Beginn erklärt Roberta uns die Besonderheit der Lage der Franciacorta: Das Gebiet Franciacorta ist ringsum komplett von Bergen eingeschlossen.

Das Weingut Bellavista besitzt knapp 200 Hektar Rebfläche verteilt auf zehn Gemeinden in Franciacorta mit über 100 Parzellen und  Weinbergen. Insgesamt werden aus diesen Weinbergen 1.300.000 Flaschen produziert wovon der Großteil auf die Bellavista Cuvée Franciacorta Brut.

Ein Önologe erklärt uns die Herstellung der Franciacorte von Bellavista (ein Teil der Grundweine wird im Barrique ausgebaut) und führt uns durch den Keller. Bei Bellavista ist man durchaus darauf eingestellt eine größere Anzahl Gruppen pro Tag durch das Weingut zu führen, so saß uns auch die nachfolgende Gruppe öfter im Nacken. Möglicherweise stellten wir mehr Fragen als üblich…

Der Keller  bei Bellavista hat 2 rund 800 Meter lange Gänge mit insgesamt rund 5 Millionen Flaschen in der Flaschenreife, gerüttelt wird traditionell und klassisch von Hand im Rüttelpult.

Verkostung:

Bellavista Franciacorta Cuvée Brut

Bellavista Grand Cuvée Satèn Franciacorta Brut

Bellavista Grand Cuvée Franciacorta Rosé Brut

Zum Mittagessen im firmeneigenen Restaurant verkosteten wir dann auch die Curtefranco Stillweine von Bellavista und den Franciacorta Grand Cuvée Brut.

Wir läuten den Abend abschließend an der Hotelbar mit einem Glas Franciacorta ein …und einige Zeit später auch wieder aus.

 

Wir erfahren hier die geschichtlichen Hintergründe der regionalen Weinerzeugung. Bei einer Kellereiführung sehen wir im Bereich der Traubenannahme die Traubenbehälter die bei der, überwiegenden, Handlese zum Einsatz kommen und auch einen doppelten Wärmetauscher und vieles weiteres technisches Equipment moderner Kellertechnik. Die insgesamt sehr moderne Kellertechnik ist auffällig (im positiven Sinn!) und gut durchdacht. Der Keller macht einen hochgradig technisierten Eindruck, sauber und aufgeräumt.

Verkostung:

2011 Bianco di Custoza DOC, Azienda Agricola Cavalchina

2011 Bianco di Custoza superiore DOC Amedeo, Azienda Agricola Cavalchina

2011 Paroni Garganega DOC, Prendina (teilweise Cryo-Extraktion)

2011 Bardolino Chiaretto DOC, Azienda Agricola Cavalchina

2011 Bardolino DOC, Azienda Agricola Cavalchina

2011 Rosso di Provincia di Verona, Torre d’Orti

2010 Valpolicella Ripasso, Torre d’Orti

2010 Faial Merlot Garda (17,5 %vol.), Prendina

2008 Amarone della Valpolicella(17,5 %vol), Torre d’Orti

 

Dienstag, 23. Oktober 2012

Frühstart um 7:45 Uhr. Mit 21 Rollkoffern bewaffnet laufen wir über das Kopfsteinplaster der autofreien Altstadt von Sirmione zum Busparkplatz. Es hört sich an wie ein gewaltiges Donnerwetter und hat sicher den ein oder anderen Italiener und Touristen unsanft aus dem Tiefschlaf gerissen.

Brigaldara ist ein malerisch in den Valpolicella-Hügeln gelegenes Weingut. Noch recht früh am Tag, nach einem starken Kaffee, gehen wir durchs Weingut, schauen uns die Reben an, zum Großteil sind sie in der Region noch im klassischen Pergola System erzogen. Bis 1985 hat man bei Brigaldara im Pergola-System angepflanzt, danach im einfachen Guyot-System. Beides hat laut dem Inhaber durchaus seine Vor- und Nachteile! Die im Guyot-System erzogenen  Rebstöcke brginen Trauben hervor die dichtere, konzentriertere Weine ergeben. Das ursprüngliche und typische Pergola-System ergibt demnach einfach filigranere, leichtere Weine.

Nachdem wir das Weingut gesehen haben fahren wir einige Kilometer weiter und besuchen ein großes Trocknungshaus in dem Trauben, ausschließlich gesunde Beeren natürlich, für den Recioto und den Amarone unter Optimalbedingungen (in Bezug auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und mit großen Ventilatoren und Gebläsen ausgestattet)  eingetrocknet werden.

Die Vinifikation erfolgt in vier Zyklen von September bis März. Je nachdem über welchen Wein man sich unterhält: Begonnen wird mit den einfachen Weißweintrauben und abgeschlossen mit dem Amarone im darauf folgenden Frühjahr.

Bei der Kellereibesichtigung erkennt man, wieso hier ein baldiger Neubau ansteht. Neben und zwischen Barriques, Tanks und Fässern lagert der bereits abgefüllte Wein. Insgesamt sind 650 Barriques im Einsatz. Sie werden in der Regel 2 mal für den Amarone und dann 2 mal für den Ripasso benutzt.

Verkostung:

2011 Soave DOC, Brigaldara

2011 Dindarella Vino da Tavola Rosato, Brigaldara

2011 Valpolicella DOC, Brigaldara

2009 Valpolicella Classico Riserva Ripasso il Vegro, Brigaldara

2008 Amarone della Valpolicella Classico, Brigaldara

2007 Amarone della Valpolicella Case Vecie, Brigaldara

2008 Recioto di Valpolicella, Brigaldara

2008 Veneto IGT Passito, Brigaldara

 

Zuerst besichtigen wir die Produktionsanlage. Der Inhaber erklärt uns Produktionsverfahren und gesetzliche Mindestanforderungen für Prosecco. Das Weinbaugebiet rund um Valdobbiadene hat erst kürzlich bei der UNESCO den Weltnaturerbestatus beantragt, ganz zu Recht wie wir meinen! Die Unterschiede zwischen frizzante und Spumante werden detailliert erläutert. Auf die erst kürzlich erfolgte Erweiterung der Anbauzone für Prosecco reagieren wir sichtlich verwundert, scheinbar ist in Sachen Prosecco vieles dehnbar und wird der aktuellen Marktsituation angepasst!

Die Kellerei ist auch als Abfüller tätig und verfügt über eine sehr leistungsfähige Abfüllanlage. Vedova besitzt circa 25 ha und kauft darüber hinaus auch viele Trauben zu. Sie produzieren auch für die Marken Prosecco La Goiosa und Prosecco Villa Sandi.

Im etwas außerhalb gelegenen Agriturismo Vedovo mit fünf Zimmern und einem schönen Restaurant verkosten wir noch einige der Prosecci von Vedovo!

Verkostung:

Fordue Vino Spumante Rosato extra dry

Fordue Cuvée Spumante Brut

Vedova Prosecco DOC, Stillwein

Vedova Prosecco DOC frizzante

Vedova Prosecco Treviso DOC Spumante extra dry

2011 Fordue Prosecco Millesimato Prestige Brut

Vedova Prosecco Valdobbiadene DOCG Extra dry

2011 Vedova Prosecco Valdobbiadene DOCG Superiore River di San Pietro di Barbozza

kleines Schmankerl als regionaltypische Spezialität: Prosecco in Flaschengärung (ein Perlwein) mit Hefe in der Flasche (Der Ursprung des Prosecco!)

 

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Zur Gruppe gehören mehrere Weingüter: Livon (Friuli Collio), Tenuta Roncalto (Friuli Collio) und Villa Chiopris (Friuli Grave), Borgo Salcetino (Toskana), Fattoria Col Santo (Umbrien).

Wir fahren morgens von der Villa Chiopris aus ins Friuli Collio zur Tenuta Ronc Alto und genießen die Aussicht über den deutschen und slowenischen Teil des Collio einerseits und das Grave bis hin zum Mittelmeer andererseits.

Livon baut über das gesamte Collio wie auch das Grave je nach Region bestimmte ausgewählte Rebsorten an, die am jeweiligen Standort für sich die jeweils besten Bedingungen finden.

Auf der Fahrt sehen wir unterschiedliche Weinberge und Cru-Lagen von Livon im Collio, besonders erwähnenswert ist Manditocai, ein Weinberg mit selektierten Tocai Rebstöcken.

Dort besichtigen wir dann auch die unmittelbar neben dem Weinberg befindliche Acetaia. Dort findet auch eine kleine Produktion von Aceto Balsamico aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Refosco statt. Wir verkosten den hauseigenen Aceto und waren allesamt überrascht.

Nebenbei hören wir die Geschichte über die Weine von Livon in Kalifornien. Beim Export dorthin wurden 9.000 Flaschen Wein vom Zoll gesperrt weil im Logo von Livon eine barbusige Frau ist. Der Importeur hat dann auf allen Flaschen die nackten Brüste übermalt, damit der Wein überhaupt verkauft werden konnte.

Bevor wir zum Flughafen aufbrechen besichtigen wir abschließend die moderne Kellerei von Livon. Alles ist hier hoch technisch, jeder Stahltank ist Temperaturkontrolliert und -gesteuert über einen zentralen Computer usw…! Der Verkostungsraum hat ein Panoramafenster mit schönem Blick in den Barriquekeller.

Verkostung:

Ribolla Gialla Spumante Brut, Villa Chiopris

2011 Friulano Collio DOC, Villa Chiopris

2011 Sauvignon Blanc Collio DOC, Villa Chiopris

2011 Solarca (Friulano, Ribolla Gialla) Collio DOC, Villa Chiopris

2010 Braide Alte (Chardonnay, Sauvignon Blanc, Picolit, Moscato) Collio Friuli DOC, Villa Chiopris

2008 Sagrantino di Montefalco Rosso DOCG, Fattoria Col Santo

2009 Casali Godia Verduzzo Friulano Colli Orientali del Friuli DOC, Livon

 

Und wie sich das so gehört gab es natürlich reichlich gutes Essen und auch außerplanmäßig weitere gute Weine mit vielen netten Leuten:

Vielen Dank auch für die gewohnt gute Organisation an Stefano Cresceri!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*