GASTBEITRAG: Mallorca – guter Stoff und geile Weiber

Der Sommer ist fast vorüber und noch immer fehlt die Anerkennung für das 17. Bundesland, das 14. Weinbaugebiet Deutschlands – Mallorca.
Die Ferieninsel, die uns allen bekannt ist durch heroische und traditionelle Leuchttürme wie Ballermann, Sangria und Jürgen „ich-bin-der-König-von-Mallorca“ Drews.

Wir alle wissen doch, was uns diese Insel zu bieten hat. Lange Nächte, geile Weiber und viel Alkohol. Natürlich ist noch keiner von uns versackt in den Stuben der Schinkenstrasse, natürlich hat noch niemand sein Getränk aus einem langen Strohhalm zu sich genommen, natürlich kennen wir all das nur vom Hörensagen.
Mallorca ist ja auch nix für den Bildungsbürger und schon gar nix für den Gourmet unter den deutschen Touris, oder ?. Aber geil ist`s schon!

Kein Wunder denn mit gutem Stoff können einige geile Weiber der Insel aufwarten, aber Vorsicht ! Diese Mädels wissen sich zu wehren. Mit Rebschere und Refraktometer in der Hand schlagen sie noch jeden strohhalmsaugenden Pauschalbubi in die Flucht. Doch dazu gleich mehr.

Der mallorquinische Weinbau ist auf ca. 2.000ha geprägt durch die D.O. `s Binissalem in der Inselmitte, sowie Pla i Llevant im Osten. Das Anbaugebiet Serra de Tramuntana (Costa Nord) bietet weitere spannende Erlebnisse für Weininteressierte.
Es sind ca. 63 Weingüter, die heute internationale Rebsorten, aber auch autochthone wie z.B. Manto Negro, Callet und Moll (Prensal Blanc) anbauen. Selbst Riesling findet sich bereits auf der Insel, kein Wunder, denn etliche deutsche Winzer und Investoren hat dieses wundervolle Terroir bereits ergriffen.

Zudem werden auf der Insel hervorragende Salze (Flor de Sal) und Olivenöle gewonnen und erzeugt, ganz zu schweigen von Ziegenkäse und Salami.
All das ist keine Selbstverständlichkeit, denn lange Jahre haben sich die Einheimischen fast nur noch um den Tourismus gekümmert und die Landwirtschaft war lediglich Zweck für den Eigenbedarf.

Keine Finca ohne Oliven- und Orangenbäume, ohne Ziegen und Schafe. Inmitten der Insel ist es bäuerlich wie zwischen Grifte und Körle. Nicht so grün, doch dafür riecht es besser und es wächst vitis vinifera auf den Parzellen.

Und was ist nun mit den geilen Weibern und dem Alkohol, wird sich der erlauchte Leser fragen ?
Okay, wer das auf Mallorca sucht, kann es finden.

PETRA – PILAR – POWER

Pilar Oliver wird jedem Mann den Atem rauben, zumindest jedem der einen guten Wein zu schätzen weiß. Das Weingut Miquel Oliver in Petra (D.O. Pla i Llevant) wird von dieser quirligen Frau und ihrem Mann geleitet. Pilar zu erleben und mit ihr über Wein zu sprechen ist eine Erfahrung, wie schwimmen in einem Gebirgsbach.
Zuhören, tief durchatmen, untertauchen und klar sehen, mitgerissen werden von ihrer Leidenschaft für Wein.

Im Weingut werden Fässer von 17 verschiedenen Tonneliers verwendet, ebenso viele Holzsorten, bzw. Toastungsgrade kommen dabei zum Einsatz.
Wenn Pilar darüber fachsimpelt, einem die Fässer zeigt und mit Händen und Füssen erklärt, wie getoastet wurde und welche Cuvées sie darin zaubert, dann erliegt Mann (und sicher auch Frau) ihrer Leidenschaft.

Pilar spricht ein exzellentes Deutsch „Weißwein gut – Rotwein gut – alles gut !“
Das reicht wie immer jedem Mallorca Touristen für die notwendige Verständigung.
Leidenschaft bedarf nun mal keiner Sprache.
Nie vergessen werde ich unser Gespräch über Reinzuchthefen und Spontanvergärung „blubb, blubb…“.

Und wenn man eine Frau respektiert, dann sollte man ihrer Mutter huldigen.
Wie könnten wir das besser machen, als den Wein „Aià“ zu verkosten, der den Kosenamen Pilars Mutter Anna-Maria trägt. Sortenreiner Merlot 7 Monate im Barrique ausgebaut. Dieser Merlot ist ausnahmsweise nichts für Weicheier und Sangriaschlürfer, denn hier geht es um Liebe und Leidenschaft.

Pilar nimmt sich gerne Zeit für ihre Besucher, nur Mittags holt sie ihre Kinder von der Schule ab und kümmert sich um das Essen.

ICE ICE BABY

Sie lächelt dich an – cool – und dein Blut gefriert. Wir sind im Tramuntana Gebirge, 380 m über dem Meer und die einzigartige Nordausrichtung von diesem Wingert ist auch die Heimat der Mönchsgeier. Eindrucksvoll die Lage, Morgennebel, Eidechsen und Meersalz in der Luft.

Ganz Mallorca ist eingenommen von ausländische Touristen. Ganz Mallorca ? Nein !
Ein von unbeugsamen Mallorquinern bewachter Wingert hört nicht auf, Widerstand zu leisten.

Aurelié Mercier, die französische Önologin ist die Heldin dieses Abenteuers und sagten wir nicht früher schon „Her mit den kleinen Französinnen“ ?
Sie macht Eiswein, den einzigen Eiswein der Insel. Aus Malvasia und Riesling. Kult !
Natürlich im Kryo-Verfahren, aber was macht das schon bei diesem Zaubertrank, der als „Dolc de Gel“ daher kommt ? Haben wir als Jungen nicht alle davon geträumt, in den Topf mit dem Zaubertrank zu fallen ? Aurelié Mercier ist die Falbala des mallorquinischen Weinbaus, doch man sieht sie einfach nicht…

Mortitx (Vinyes Mortitx auf Facebook) ist mein Geheimtipp unter den Weingütern Mallorcas. 38 Familien haben sich zusammen geschlossen und lassen mit viel Liebe und Enthusiasmus diesen Weinberg in nördlicher Ausrichtung (!) bewirten. Leider gehen derzeit nur knapp 6% der Erzeugnisse in den Export, aber die überwiegend internationalen Rebsorten und die 8 Weine werden uns noch viel Freude bereiten, auch wenn die Serra de Tramuntana derzeit nur einen Landweinstatus hat (vino de la tierre).

Neben dem Eiswein ist der L’U aus 64% Syrah und 24% Merlot (2007) eine Empfehlung wert. 15 mon.in französischen Barriques liess Falbala, pardon, Aurelié dieses Flaggschiff reifen.

Die zauberhafte Welt der Aurelié kann man sich anschauen. Parkplätze gibt es nicht vor dem Tor auf der Landstrasse, aber wer sich hinein wagt in die Geiergegend, sollte bitte unbedingt wegen der Ziegen wieder das Tor hinter sich schliessen.

Besichtigung von 9-15 Uhr, besser ist eine vorherige Terminabsprache.

BARRIQUE – BODEGA – BOTART

Nirgendwo sonst auf der Welt wird soviel recycled wie in Deutschland und die geilen Weiber auf Mallorca wissen ganz genau, wie sie einen Mann aus Alemania verführen können.

Lange genug hatten sie Zeit dafür und so präsentieren auf dem ältesten Weingut Mallorcas „Bodegas Ribas“ (seit 1711) die Inhaberin Maria Antonia Oliver und ihre Önologin Araceli Servera nicht nur toll vergorene Traubenkaltschalen, sondern eben auch eine einzigartige Art Barriques zu „recyclen“.

„bota“ ist das Fass und so kommen viele Urlauber an den Stränden von Arenal daher.
Botart dagegen ist kein look-a-like Wettbewerb, obschon die oft grellen Farben daran erinnern könnten. Fass-Kunst wäre die korrekte Übersetzung und die bezieht sich hier nicht nur auf das, was im Fass geschieht, sondern darauf, was später mal aus dem Fass werden kann.

Allein das schon wäre Grund genug, dieses wundervolle Weingut zu besuchen, doch wissen auch hier die Damen, was aus den Rebsäften gemacht werden kann.
Viel zu schade für Sangria, nichts für den langen Strohhalm, der deswegen auch nicht für die „halmart“ verwendet wird.

Hier zählt eben auch die Kunst im Fass und in der Flasche. Eigentlich dürfte Mann davon nicht erzählen, aber teilt man nicht gerne seine Urlaubserlebnisse und einen guten Tropfen ?

Erneut dürfen wir einer Mutter huldigen. „Sió“ war der Kosename der Großmutter und nun gibt es einen großen Wein mit ihrem Namen. Manto Negro, Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot wurden dafür knapp ein Jahr in zumeist neuen Fässern ausgebaut.
Dieser Heirat möchte man beiwohnen – wenigstens sind wir eingeladen, das Ergebnis schätzen zu lernen.

Wer hier landen will, sollte vorher besser einen Termin machen, oder nach Öffnungszeiten fragen.

Eines haben diese tollen Frauen gemeinsam, ihre Weine kann sich auch jeder Tourist noch nach durchzechter Nacht und Urlaub merken.
Aià, L’U, Sió – klever die Damen.

Also ich liebe die Insel und die geilen Weiber von Mallorca !

10 Replies to “GASTBEITRAG: Mallorca – guter Stoff und geile Weiber”

  1. Sehr schöner Beitrag…

    würde ich gerne auch ins Kreuznach Blog setzten 🙂
    Aber ich glaube ich mache das anderes…

    Moment …

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  2. Schöner Bericht über eine schöne Insel und besondere Weine! Schade das du nicht in Biniali bei Matias Batle warst. Binigrau ist auch eine der Entdeckungen, die ich im Süden hier habe! und die beiden sind auch eine Nr.für sich!

    Reiner!

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  3. @Reiner: Macia Batle ist sicher einen Besuch wert, klar war ich dort auch und Binigrau lohnt sich wohl allein schon wegen des Glasbodens zum Keller im Eingangsbereich und natürlich wegen des Chardonnais ! 😉
    Über etliche Weingüter mehr könnte ich berichten, denn Mallorca bietet wirklich tollen Stoff. Allerdings hätte das den Rahmen gesprengt und es ging ja auch nur um ein paar „geile Weiber“.

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  4. ich war mal auf mallorca, das kann ich nur empfehlen und das nicht nur wegen des weines. die insel ist sehr schön und vor allem das landesinnere ist teilweise noch sehr natürlich und gut zu bereisen.

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