2005 Weißer Burgunder Tafelwein Rhein trocken, Weingut Friedrich Becker

Kürzlich war ich mal einen Samstag bei meinem geschätzten Freund Fritz Becker in Schweigen. Natürlich konnte ich nicht ohne einige sehr nette Flaschen Wein vom Hof fahren.

Das Weingut Friedrich Becker liegt am südlichsten Ende der deutschen Weinstraße im malerischen Örtchen Schweigen, bekannt für sein Weintor! In den letzten Jahren hat im Weingut der Generationenwechsel stattgefunden, heute zeichnet nahezu gänzlich Fritz Becker junior für die Weine verantwortllich. In dieser Phase haben sich nicht nur die Weine verändert, auch das gesamte Weingut hat sich seutlich spürbar gewandelt. Der charismatische Friedrich Becker senior, den ich wirklich sehr schätze zieht sich mehr und mehr zurück. Wer ihn kennt, weiß dass ihm dieser notwendige Schritt sicher nicht leicht fällt.

Der Weißburgunder liegt mit einem satten strahlenden strohgelb im Glas. Auch wenn ich den Punkt gerne außen vor lasse, bei diesem Wein muss ich aber einfach mal die stark ausgeprägte Schlierenbildung hervorheben. Fast schon ölig!

Der Wein braucht einige Minuten Sauerstoffkontakt, um dann seine intensive Aromen entfalten zu können. Er duftet kräftig nach Holz, Eiche genauer gesagt. Aber nicht jene Toastaromen mit Vanille und Kokos, sondern hat man hier frische Holznoten. Subtil untermalt sind diese Holznotzen von Aromen gelber Früchte, etwas Heu und getrockneten Kräutern. Die Nase ist schon mal große Klasse.

Nimmt man den Wein auf die Zunge wirkt er fast so ölig wie er bereits im Glas aussieht. Er hat eine mächtige Struktur. Den Alkohol nimmt man auf der Zunge nicht wirklich wahr, lediglich im Abgang spürt man ihn. Der Weißburgunder hat eine angenehme Säure. Sein fetter Körper erschlägt mich im ersten Moment fast. Durch die Säure als Kontrastprogramm wirkt er dennoch nicht überladen sondern kriegt gekonnt die Kurve. Mächtig viel Phenole und ein scheinbar ausgeprägt hoher Extrakt geben ihm ordentlich Fülle und Körper in sämtliche Richtungen: Üppig auf der Zunge, und sehr lang am Gaumen. Das ist großes Kino! Sehr deutlich findet man hier auch mineralische Elemente. Die Aromenvielfalt ist momentan noch nicht perfekt ausgeprägt, hier tut ihm ein wenig Reife absolut gut. Er hat auf der Zunge trotz seiner Jugend nicht nur die Aromen gelber Früchte mit etwas Heu und Kräutern, sondern auch hier die Holznoten. Hier nimmt man im Gegensatz zu der Nase auch etwas, aber wirklich nur sehr dezent, Vanillenoten wahr. Nach dem Spektaktel auf der Zunge darf ein gebührender Abgang natürlich nicht fehlen. Und auch hier wird man nicht enttäuscht, mächtig verabschiedet er sich aus dem Mund. Einzig der Alkohol, den man hier spürt könnte man als kleinen Kritikpunkt anbringen. Ich finde ihn allerdings nicht wirklich störend.

Für jeden der im Barrique ausgebaute Weißweine mag, ist dieser Wein ein Muß! Mich hat beeindruckt wie gekonnt hier mit dem Holz gearbeitet wurde, beziehungsweise auch wieviel der Wein dem Holz entgegenzusetzen hat. Denn das ist das Wichtigste daran. Der Wein lässt sich einfach nicht vom Holz dominieren!

Man kommt nicht umhin den Wein vor dem Genuss zu karaffieren, dieser Kraftprotz schreit förmlich nach Luft!

Diesen Wein hätte ich gerne einmal mit einem der „großen“ Chardonnay vom Weingut Becker in einer Probe von Weißweinen aus dem Burgund. Das wäre sicher spannend!

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