Der richtige Preis (1) – Preiskalkulation im Weinhandel als Chance zur Positionierung

Die Preisfrage (bzw. vielmehr die Preis-Frage!), also die Frage nach dem „richtigen“ oder „perfekten“ oder „angemessenen“ oder „wie-auch-immer“ Verkaufspreis stellen wir uns ja nicht nur in unserer Branche in Bezug auf den Verkaufspreis einer Flasche Wein. Der Verkaufspreis spielt bei jedem Produkt eine große Rolle und hängt eben nicht nur von den Kosten ab!

Der Verkaufspreis ist auch ein wichtiger Bestandteil der Positionierung eines Produktes und tangiert somit neben der Produktion zum Beispiel auch den Bereich Marketing. Auch als Weinhändler positioniert man sich ein gutes Stück weit durch und mit den angebotenen Verkaufspreisen.

Branchenfremde Beobachtungen aus dem Alltag:

Preisbeispiel Brezeln (die ‚gesunde Alternative‘):

Beispielbild: Huober Brezeln 0,80 €/100g Brezeln mit Salz 1,44 €/100g Brezeln ohne Salz

Ich gehe gerne einkaufen, oft nur eine Kleinigkeit in der Mittagspause. Ich schlendere dann mit offenen Augen durch die Supermärkte und bei jedem Durchgang mache ich wundersame Entdeckungen bei der Preisgestaltung. Mal ist es eine scheinbar genau auf eine bestimmte Preiskategorie durchgerechnete Kalkulation, das nächste Mal ein auffälliger Angebotspreis, irgendetwas gibt es immer zu sehen und zu entdecken.

Vor einiger Zeit sollte ich noch etwas zu knabbern mitbringen, vielleicht lief abends Fußball…? Ich ging also in ein großes SB-Warenhaus und stürzte mich schnurstracks in die Untiefen der Knabberartikelregale. Dort findet man ohnehin meist vorbildlich geprägte „Preisoptimierungen“ dank unterschiedlichster Verpackungsgrößen. So richtig interessant wird es meist spätestens dann, wenn man die Kilopreise der unterschiedlichen Varianten betrachtet.

Als junger Vater ohnehin auf das Aufspüren spezieller Kinderprodukte abgerichtet, fielen mir die Huober Brezeln ins Auge. Und der Preis:

0,80 €/100g für Brezeln mit Salz

1,44 €/100g für Brezeln ohne Salz

Salz war ja einst ein teures Gewürz, heute definitiv nicht mehr. Bei Huober scheint Salz sogar deutlich günstiger als Nichts. Die Marge auf den speziellen Kinderprodukt ist, wie leider sehr oft, auffällig höher. Die Brezeln per se sind sicher nicht wirklich abweichend in ihrer Art. Also reden wir nur über den Unterschied „mit Salz“ und „ohne Salz“, denn bekanntermaßen sollen Kinder ja nicht unnötig viel Salz zu sich nehmen (wieso das so ist erfährt man eher bei meiner Frau!). Und die Eltern werden für das Weglassen von Salz bei den Salzbrezeln dafür bestraft, indem sie den höheren Preis zahlen.

Preispeisbiel Frikadellenbrötchen (die Neuerfindung!):
Meister Burger - das neue Frikadellenbrötchen

Meister Burger – das neue Frikadellenbrötchen

Vor Jahren gab es noch in vielen Bäckereien das Frikadellenbrötchen als deftig-herzhafte Pausenmahlzeit zu kaufen, mittlerweile findet man es dort nur noch selten in der Auslage. Bei dem Lebensmittelmarkt unterhalb meines Büros in Freiburg (zentrale gute Lage) entdeckte ich dann neulich den alten Bekannten wieder, allerdings unter neuem Namen (und mit neuem Preis!). Der Meister Burger ist das neue Frikadellenbrötchen. Dem allgemeinen Trend zu Burger und Co folgend, dachte sich die Bäckereikette wohl mal eben auf den Zug aufspringen zu können.

Kostete das Frikadellenbrötchen meist unter 2,- € schlägt der Meister Burger mit meisterlichen 3,49 € zu buche. Ein herrliches Beispiel für eine Neupositionierung. Belegt scheint mir der Meister Burger im Übrigen gleich mit dem Frikadellenbrötchen von einst in einer vernünftigen Bäckerei (Salat, Tomate). Von einem Testkauf habe ich allerdings abgesehen…

Die Frage, die sich abschließend stellt, sollen Beispiele wie diese bei der Preiskalkulation im Weinhandel eine Rolle spielen, muss jeder Weinhändler für sich entscheiden. Man sollte sich aber beim Thema Preiskalkulation im Weinhandel auch Beispiele wie diese aus anderen Branchen anschauen und eventuell daraus lernen. Macht ein Winzer einen Glühwein, ist es „nur“ ein Glühwein – macht der Winzer einen hausgemachten Winzerglühwein, so ist dieser direkt wertiger einzustufen und er kann einen besseren Erlös pro Flasche erzielen. Vorausgesetzt die Qualität des Glühweins stimmt…

 

PS: Ich liebe übrigens Huober Salzbrezeln, kaufe allerdings aufgrund der preislichen Positionierung nur die mit Salz!

PPS: Ich habe bis heute keinen Meister Burger gegessen. Entweder Frikadellenbrötchen oder Burger – aber wenn, dann richtig!

Ein Kommentar zu “Der richtige Preis (1) – Preiskalkulation im Weinhandel als Chance zur Positionierung

  1. Ich finde gut das du mit dem Burger ein gutes Beispiel gemacht hast, so kann man es sehr gut nachvollziehen, danke.

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