Die Erfolgsgeschichte des Weinbaus in Neuseeland – wie der Sauvignon Blanc nach Marlborough kam!

Der Sauvignon Blanc Neuseelands, insbesondere natürlich der Sauvignon Blanc aus der Region Marlborough ist international eine absolute Erfolgsstory! Doch worauf begründet sich der Erfolg des Sauvignon Blanc?

Die Zeit vor dem Sauvignon Blanc Neuseeland:

Historisch betrachtet kam der Weinbau wohl kurz vor dem Jahr 1820 nach Neuseeland, auf der Insel streitet man sich bis heute ob es ein Missionar oder der Landwirtschaftsminister war, der die ersten Reben einführte. So etwa 15 Jahre später war es der in Bordeaux zum Winzer ausgebildete James Busby, der in Waitangi, also weit im Norden der Nordinsel Neuseelands Reben anpflanzte, ganz sicher aber keinen Sauvignon Blanc.

Weinberge: Sauvignon Blanc Neuseeland

Weinberge in Neuseeland

Es gab also ein wenig Weinbau, er dümpelte aber nur so vor sich hin. Dann kam zu Beginn der 1900er Jahre eine Art regionale Prohibition die darin gipfelte, dass um 1920 herum der Weinausschank und -verkauf in der Gastronomie verboten wurde. Wenn ich es richtig verstand wurde bis dahin ein Großteil des Weinverkaufs über die Gastronomie gemacht. Ab 1960 durfte Wein dann wieder in der Gastronomie angeboten werden und ab 1990 fand er dann auch wieder seinen Weg in die Supermarktregale und zum Weinfachhandel. Bis zu diesem Zeitpunkt war von Sauvignon Blanc aber noch nichts zu vernehmen.

Ab den 1970er Jahren wurden auch verstärkt Reben aus Europa importiert und angebaut, die große Trendsorte dieser Jahre war in Neuseeland der Müller-Thurgau. Um 1995 rückte dann der Chardonnay in den Vordergrund und ab ca. 2005 ist die unangefochtene Weißweinrebsorte Neuseelands der Sauvignon Blanc!

Im Zuge dieser Entwicklung „wanderte“ der Weinbau zunehmends von der nahezu tropisch heißen Nord- auf die Südinsel Neuseelands. Dort findet man überwiegend klimatische Bedingungen wie man sie zur zeitgemäßen Weinproduktion heute voraussetzt. Auch die Weinproduktion hat sich dementsprechend deutlich gewandelt und ist komplett anders als wir es aus Deutschland oder dem angrenzenden europäischen Ausland kennen. Nicht dieses kleinparzellierte komplexe Konstrukt, dass der Kommunikation entsprechend oft mehr dem Erhalt einer Kulturlandschaft dient, als der Erzeugung eines Genussmittels. Sondern man findet in Neuseeland überwiegend ein folgendermaßen zweigeteiltes System:

  1. Weinbau/Traubenproduktion: Es werden Trauben angebaut. Und zwar dort, wo man Trauben unter möglichst guten Aspekten anbauen kann. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht so ausschaut, Trauben werden nur da angebaut, wo die Voraussetzungen stimmen. Der gesetzliche Rahmen ist ebenso von Bedeutung, wie auch der ökologische, ökonomische und qualitative. Fazit: Nur ein Marlborough Sauvignon darf sich Marlborough Sauvignon Blanc nennen.
  2. Weinbereitung/Vinifikation: Man kann heute sagen, die gesamte Weinproduktion Neuseelands ist hochgradig auf die Produktion neuseeländischen Pinot Noirs spezialisiert. Weltweit findet man wohl kaum eine solche geballte Kompetenz (menschlich und technisch) wenn es um die Herstellung eines Sauvignon Blancs geht, der dem gemeinhin als neuseeländischen Stil bekannten entsprechen soll. Fazit: Ob in Persona oder in Machina, Kompetenz für Sauvignon Blanc hat man in Neuseeland!

Heute wachsen in Neuseeland auf rund 35.510 Hektar (Stand 2014) Weinreben, die Tendenz ist nach wie vor leicht steigend. Weiße Rebsorten machen rund 77% der Anbaufläche aus, 73% davon fallen wiederum auf Sauvignon Blanc (entspricht rund 20.000 ha, bzw gut 56%!). Neben Sauvignon Blanc spielen in Neuseeland nur wenige Rebsorten überhaupt eine greifbare Rolle: Pinot Noir (5.563 ha), Chardonnay (3.360 ha), Pinot Gris (2.456 ha), Merlot (1.320 ha). Da liegt doch auf der Hand, wo Neuseeland seine Stärke gefunden hat!

Regional fokussiert sich der Weinbau stark auf Marlborough, die wichtigsten nach Rebfläche in Neuseeland sind (Stand 2015), sortiert nach Rebfläche:

  1. Marlborough, 23.202 ha (65,8%)
  2. Hawkes Bay, 4,773 ha (13,5%)
  3. Otago, 1950 ha (5,5%)
  4. Gisborne, 1914 ha (5,4%)
  5. Waipara, 1254 ha (3,6%)

Natürlich werden neben dem Paradewein, dem Sauvignon Blanc Neuseelands, auf beiden Inseln Neuseelands auch viele weitere Rebsorten iangebaut, man findet von gängigen Rebsorten wie Grüner Veltliner, Syrah, Riesling, Gewürztraminer, Viognier über Exoten wie Gamay, Scheurebe, Albarino, Würzer, St. Laurent bis zum Zinfandel jede Menge unterschiedlichster Traubensorten.

Sauvignon Blanc Neuseeland

Weinberge in Neuseeland, überwiegend Sauvignon Blanc

Wer mehr über Wein aus Neuseeland erfahren möchte, kann sich auf iTunes eine kostenlose App mit Informationen und vielen schönen Bildern kostenlos herunterladen: NZ Wine oder man schaut selbst im Internet auf nzwine.com.

Einer meiner Chefs in der neuen Firma kommt aus Neuseeland. Er erzählte mir neulich einmal, wie es mit dem Weinbau in Neuseeland vor ein paar Jahren einmal begann und sich bis heute entwickelt hat. Ich finde das super spannend und hochinteressant, so erschließt sich einem auch vieles von ganz alleine. Neuseeländer sagen über sich selbst ‚Neuseelands Tradition sei, keine Tradition zu haben‘. Mit diesem Spruch als Grundlage ist Innovation und Offenheit Programm, man prüft was man gut machen kann, klärt die Marktlage dafür und macht es einfach. Seien es Schafe, oder Wein.

Hier ein paar Bilder meiner Neuseelandreise im Frühjahr 2015:

2015-03 Neuseeland

Ich trinke jetzt erst einmal ein Glas Sauvignon Blanc aus Neuseeland.

Ein Kommentar zu “Die Erfolgsgeschichte des Weinbaus in Neuseeland – wie der Sauvignon Blanc nach Marlborough kam!

  1. Interessanter Artikel!
    War selbst vor 2 Jahren in Neuseeland und durfte einige lokale Weine verkosten. Ist auf jeden Fall eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte! Es war eine wunderschöne Reise mit toller Weinbegleitung.

    Schöne Grüße.

    AntwortenAntworten

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