Printdebatte

Und wieder einmal ist die gute alte Debatte um Print und Online neu entfacht worden. Auch dieses Mal schreiben sich einige die Finger wund:

Michael Pleitgen von der Weinakademie Berlin nimmt die neue Vinum unter die Lupe, speziell den Artikel Knolli Trolli Ahoi“ und stellt fest, dass sich nicht wirklich viel geändert hat.

In seinem zweiten Artikel stellt er fest:

unter neuer (wieder) Schweizer Regie hatte die Branche gewartet. Die Meinung bei Insidern ist eindeutig: das ist es nicht. Wo ein Neuanfang hätte sein können, ist alles beim alten geblieben. Die alten Themen, die alte Aufmachung, die alten Redakteure.

Hier verdeutlicht er die Eindimensionalität der deutschen Weinmagazine, sie beachten das Internet nahezu gar nicht.

Niko Rechenberg schickt darauf hin seinen Beitrag zur Thematik aus seiner Wein- und Gourmetwelt in die Diskussionsrunde und stellt klar:

Immer wieder müssen die Leser solcher Magazine die immer gleiche Aufmachung der alten Themen ertragen. Das ist erschreckend, nicht nur bei einem Neuanfang.

um seinen Beitrag mit den Worten

Zeitnaher nützlicher Service und Infos, garniert mit Hintergrundwissen, das Ganze permanent und kostenlos abrufbar, das sind die Grundlagen des online Erfolgs. Wissen das die Macher der großen Gourmet-Verlage?

zu beenden.

Dirk Würtz greift dann die Artikel von den Herren Pleitgen und Rechenberg auf, ergänzt das Ganze um seine Sicht der Dinge um seinen Beitrag zu beenden mit einem Rat für alle „Profijournalisten“:

Also, Ihr lieben Printweinprofis. Es ist doch also eigentlich ganz einfach, Ihr müsst doch nur mal schauen wie es im Web 2.0 gemacht wird, ein wenig interdisziplinär und crossmedial denken, und schon geht es vorwärts. Ganz ehrlich, ich verstehe nicht wo das Problem liegt. Ein guter Inhalt, wird gelesen oder meinetwegen auch einfach nur konsumiert.

Mario Scheuermann schreibt daraufhin (last but not least) in seinem drink tank:

Daraus nun aber ein Generalpardon für die Online-Publizistik abzuleiten wie es Niko tut, ist mindestens genauso daneben. Im Netz wird über Wein so viel geschwafelt und geschwätzt wie im Print. Die Behauptung im online würden sorgfältig und aufwendig die harten Fakten recherchiert und in kurzer knapper Form unters Volk gebracht, ist doch nichts als eine Mär. Natürlich recherchieren einige Onliner sehr fleissig und liefern regelmässig ausgezeichneten Content. Das tun aber aber auch manche Kollegen im Print.

Scheuermann verteilt in seinem Artikel allerdings auch Kritik an vermeintliche Mitstreiter („…abonnieren 20 Google-Alerts sowie alle einschlägigen Newsletter der Branche…“) und trifft in seiner Kernaussage die Sache auf den Punkt:

Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, es gibt viele Abstufungen die dazwischen liegen! Und schwarze Schafe und Langweiler gibt es sowohl im Lager der Printmedien, als auch Online.

Der Erfolg liegt (meiner Meinung nach!) in einem gesunden Mix aus tagesaktuellen Themen und tiefgründiger Berichterstattung. Und da die Weinwelt nicht jeden Tag neu erfunden wird, ist es auch nichts allzu Außergewöhnliches, wenn jemand über ein Thema berichtet, das ein Anderer bereits abgehandelt hatte. Dennoch kann man jederzeit das Thema erneut aufgreifen. Im Allgemeinen bringt man dann ja doch eine etwas andere Perspektive in das Thema rein und kann dem Leser so einen weiteren Nutzen bieten. Dieser Nutzen, auch wenn bereits zum X-ten Mal über das Thema geschrieben wird, kann dennoch größer sein als das reine Veröffentlichen von Pressemeldungen oder PR-Texten. Die kann sich der Leser von Morgen, zum Teil auch bereits der Leser von heute, selbst abonnieren…

Es gibt in der Online-Weinszene große Unterschiede was den Anspruch der jeweiligen Seite anbelangt. Mein Anspruch an diese Seite ist, neben regionalen Informationen aus meinem Lebens- und Berufsalltag rund um das Thema Wein und die Leute dahinter, bzw. mittendrin zu schreiben und nach Möglichkeit auch einen Teil dessen, was ich mir erarbeitet habe an meine Leser weiterzugeben. Hierfür wurde ich sogar schon von Niko Rechenberg gelobt (wir erinnern uns…). Einen professionellen journalistischen Ansatz hingegen wird man bei mir wohl vergeblich suchen.

Mein Freund und Weggefährte Dirk Würtz umschreibt die oben genannte Situation gerne mit den Worten „Wuertz-Wein.de ist die Bildzeitung unter Deutschlands Weinblogs, Der-Ultes.de sei hingegen das Wissensmagazin“.

Mit diesen Worten beende ich meine Gedanken zum Thema und widme mich nun wieder dem, was wohl auch mancher gerne vernachlässigt: Guten Inhalten die den Leser interessieren. Der Leser ist das was zählt (!), das vergisst man hin und wieder, sowohl im Print als auch Online.

3 Kommentare zu “Printdebatte

  1. Lieber Ultes,

    bitte den Artikel zu Ende lesen!

    Punkt 1

    Es geht mir nicht um print oder online – die beiden ergänzen sich und wer es richtig machen will, läßt sich die Chance beides zu verzahnen, nicht entgehen.

    Punkt 2

    Wer Erfolg haben will muß spitzer herangehen: wenn ich Weinanfänger bin, habe ich andere Bedürfnisse und Fragen, als ein alter Weinfreund. Beides in einem Magazin (und dazu noch auf das Profi-Publikum schielen) geht nicht

    Punkt 3

    Es geht mir auch nicht ums VINUM Bashing, eher finde ich es schade, daß es keinen Neuanfang gibt. Da bin ich nicht der einzige, dem es so geht. Wenn auch noch VINUM zumachen muß, verliert die ganze Sparte!

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  2. Ich denke, dass es sich dabei nicht nur allein um ein Problem in der Weinszene handelt, sondern allgemein das Altmodische (Print) auf das Moderne (Internet) trifft.

    Printmedien zielen ja meist auf einen gewissen Leserkreis ab, fassen aber doch insgesamt ein breiteres Spektrum ab, wovon oftmals nicht einmal die Hälfte von jedem gelesen wird. Der Vorteil am Internet ist hierbei die individuelle Auswahlmöglichkeit. Sei es nun eine ganze Website, deren Feed man abonniert, oder nur eine Kategorie oder ein Tag. Jeder kann das lesen, was ihn am meisten anspricht, ohne sich gleich „für teuer Geld“ ein ganzes Magazin kaufen zu müssen, nur weil ein interessanter Artikel drinsteht, übertrieben dargestellt.

    Letztendlich finde ich persönlich aber, dass es weder ohne das eine, noch ohne das andere gehen würde und dass beide Medien voneinander profitieren. Was soll also diese ganze Diskussion? Wer lieber Printmedien liest, wird dies auch noch in Jahren tun. Wer hingegen mittlerweile auf Onlinemedien setzt, soll das auch ruhig weiterhin tun. Und wenn die Inhalte eins zu eins vom Printmedium auf’s Onlinemedium übertragen werden oder umgekehrt, spricht das letztendlich einfach nur eine größere Zielgruppe an und man überlässt dem Leser selbst, wo er sich bedient.

    Dienst am Kunden sozusagen. Denn der Kunde ist König!

    Dass nicht immer überall nur aktuelle, neue Themen präsentiert werden können, wie es in der Technikszene vielleicht noch der Fall ist, ist irgendwie klar. Dass alte Themen neu überarbeitet und nochmal ins Gedächtnis gerufen werden, aus einem anderen Winkel betrachtet werden, ist vollkommen normal.

    Amen.

    < dummer Witz >
    Wen das stört, der sollte vielleicht mal Heimatromane lesen. Die sind noch ganz groß und suppi im Printbereich, sterben einfach nicht aus und halten sich (hoffentlich) vom Internet fern. Wobei selbst die immer wieder das ein und selbe Thema neu aufrollen… *lach* < / dummer Witz >

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  3. @Michael Pleitgen: Lieber Herr Pleitgen, ich habe sehr wohl Ihren Artikel zu Ende gelesen.

    Zu Punkt 1: Das habe ich ja auch nicht behauptet. Ich nahm lediglich Bezug darauf, dass Sie schreiben „dass sich nicht wirklich viel geändert hat.“

    Zu Punkt 2: Ist es nicht genau das, was ich mit meinen Aussagen „Der Erfolg liegt (meiner Meinung nach!) in einem gesunden Mix aus tagesaktuellen Themen und tiefgründiger Berichterstattung“ und „Mein Anspruch an diese Seite ist,…“ zum Ausdruck bringe? Falls nicht, war es so gedacht. Jeder hat seine Zielgruppe bzw. Leserschaft.

    Zu Punkt 3: Mir geht es auch nicht ums Vinum-Bashing. Ich finde ebenso wie auch sie dass der Printbereich von enormer Wichtigkeit für unsere Branche ist (siehe auch z.B. hier!).

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