Marktchance deutscher Weine

Deutsche Weine haben in den vergangenen Jahren ja ohne Zweifel einen gigantischen Boom erlebt. Man hat sich konzentriert auf seine Stärken, hat die Qualitäten deutlich gesteigert und sich mehr Gedanken um den Markt gemacht. Sehr detailliert betrachtet Dirk Würtz in seinem Artikel Die Zukunft des deutschen Wein dann allerdings auch die momentane Situation und wagt einen kurzen Blick nach vorne.

Die derzeitige rezessionsbedingte Stagnation, auch im deutschen Premiumweinbereich bringt er auf den Punkt. Bei vielen deutschen Weingütern tut sich momentan der Absatz der „Großen Gewächse“ und Premium- oder „Kultweine“ deutlich schwer.

Leider fällt sein Blick nach vorne eher kurz aus. Wenn man nun den Gedanken aufgreift, den er anschneidet, nämlich die derzeitige Situation zu nutzen, die Chance, die durch die Liberalisierung mittels der EU-Weinmarktreform vor der Tür steht wartet derzeit nur darauf aufgegriffen zu werden.

Schauen wir einmal ins benachbarte Ausland: Aus den „großen Nationen des europäischen Weinbaus“, sprich Frankreich, Italien oder auch Spanien, gibt sehr viele sehr erfolgreiche Weine auf dem deutschen Markt. Diese stehen natürlich auch als Konkurrenzprodukt zum deutschen Wein da. In diesen Ländern ist man allerdings den deutschen schon ein Stück weit voraus. Die Masse der Weinproduktion, die man in Deutschland aus diesen Ländern kennt, sind nicht produziert wie die deutschen Weingutsweine. Für diese Basis- oder Konsumweine nimmt der deutsche Winzer alles komplett selbst in die Hand. In anderen Nationen sind da komplett andere Strukturen innerhalb des Weinbaus. Die Winzer bauen Trauben an, Kellereien machen Weine, die Vermarktung macht wieder ein anderer. Durch diese Rollenaufteilung kann sich jeder auf das konzentrieren, was er gut kann. Damit sind wir dann beim letzten Kapitel des Würtz’schen Artikels. Dort schreibt er darüber, dass es wichtig ist „Gute Basisweine zu produzieren, in immer gleichbleibender Qualität, zu einem adäquaten Preis“. Diese Aussage trifft eine große Schwachstelle in Deutschlands Weinwelt, nämlich die der in großem Volumen zur Verfügung stehenden Konsumweine ordentlicher Qualität auf internationalem Niveau. Sprich Weine, die zum Beispiel dem „Pinot Grigio aus Italien“ oder dem „Bordeaux aus Frankreich“ etwas entgegensetzen können. Profilweine die eine gewisse Typizität besitzen, vom Verbraucher regelrecht als „Dachmarke“ wahrgenommen werden und in ihrem Preis-Genuss-Verhältnis sehr gut positioniert sind.

Diese Weine braucht die deutsche Weinwelt nicht nur im internationalen Auftritt, sondern auch auf dem heimischen Markt. Weine, bei denen nicht der Winzer oder die Besonderheit einer Lage im Vordergrund stehen, sonder Weine, die den Konsumenten in den Mittelpunkt stellen. Nur so kann man die Leute für Wein begeistern und dauerhaft für die Branche gewinnen! Den Schritt, den in dieser Sache Spitzenwinzer die mit Aldi kooperieren eingeschlagen haben, ist in meinen Augen ein gutes Beispiel dafür, wie sich zukünftig der Markt entwickeln kann. Damit meine ich weniger den Discounter selbst, als vielmehr die Möglichkeit eine Chance zu entdecken und gemeinsam zu nutzen! Da kann man nur sagen: Deutschlands Winzer reißt euch zusammen und ergreift gemeinsam die Chance! Weniger vernichtendes Konkurrenzdenken, dafür mehr Kooperation bringt alle voran.

2 Kommentare zu “Marktchance deutscher Weine

  1. „Die Winzer bauen Trauben an, Kellereien machen Weine, die Vermarktung macht wieder ein anderer. Durch diese Rollenaufteilung kann sich jeder auf das konzentrieren, was er gut kann.“

    Ist dieses “ outsourcing “ nicht schon wieder out…. ?????

    Und Winzergenossenschaften existieren doch schon 🙂

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  2. @Friedrich Bolle
    Die Rollenaufteilung besteht durchaus schon, nur fehlt es bislang an einen funktionierenden Vermarktungskonzept mit „Profilweinen las Dachmarke“, die den Rest des Marktes mitreßen können (ein Beispiel hierzu aus Italien wären Pinot Grigio oder Prosecco). Deutschlands Winzergenossenschaften bestehen, nur verwalten sich die meisten dieser Genossenschaften eher zu Tode, das liegt eben an der Struktur, als dass ein komplett durchdachtes Konzept entwickelt wird.

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