100% Wein mit Michael Liebert auf n-tv

In der offiziellen Pressemitteilung von n-tv heißt es „Woran erkennt man einen erstklassigen Wein?“.

Wer ist denn eigentlich Michael Liebert? Wenn er schon eine eigene Homepage betreibt, schauen wir uns doch einfach mal sein Portrait an: Neben einer „Vielzahl an Seminaren und Events“ berät er als Sommelier die Palazzo Produktionen, ist Chefsommelier von Club Aldiana und beratender Sommelier der Marriott-Hotelgruppe Continental Europe, alleine dass macht dann mal eben schnell 120 Standorte. Daneben ist er Weinkritiker mit seinem eigenen 100-Punkteschema. Nicht irgendeiner, sondern der von Ronaldi. Hier findet man die gesamten Verkostungsnotizen, dort findet man seine Verkostungsnotizen der aktuell verfügbaren Ronaldi-Weine. Wenn ich mir jetzt einmal die Beschreibung und Bewertung des einzigen Weins anschaue, der mit 100 Michael-Liebert-Punkten bewertet ist, dem 2005 Rosso Piceno Superiore Brecciarolo von Velenosi zu 4,95 €, lese ich da eine beliebige und nicht nachvollziehbare Beschreibung eher hedonistischer, denn objektiver Art à la fruchtig, kräftig, saftig, und mein Lieblingssatz „vielseitiger Essensbegleiter“ fehlt ebenso wenig. OK, über die Art Punkte zu vergeben kann man streiten. Gestritten, nicht nur über das Michael-Liebert-100-Punkte-Schema, wird ja ohnehin genug (siehe talk-about-wine oder Werner Elflein). Aber wenn man sich selbst als „Einer der wenigen, unabhängigen Wein- und Sensoriktrainer in Deutschland“ bezeichnet, finde ich es fragwürdig für einen Händler Weinbeschreibungen mit Punktebewertung zu verfassen. Objektive Bewertungen dürften so nicht zustande kommen können.

Sein Xing-Leben beginnt im Jahr 2001. Dort gibt er an Mitglied der Sommelier-Union Deutschland zu sein. Die Angabe ob wir es bei Michael Liebert mit einem IHK-geprüften Sommelier, einem staatlich geprüften Sommelier oder einem verbandsgeprüften Sommelier zu tun haben fehlt gänzlich. Der Begriff Sommelier alleine ist aber auch nicht geschützt, so kann sich jeder der möchte Sommelier nennen. Da die meisten Leute die einen Titel haben diesen auch benennen, gehe ich einfach einmal davon aus dass wir es hier mit einem klassischen Quereinsteiger in die Weinbranche zu tun haben. Das muss ja noch lange nichts Negatives bedeuten, nur ist meiner Meinung nach die Kompetenz die er auf n-tv darstellen wird doch sehr kritisch zu betrachten. In Sommelierkreisen ist er auch nicht wirklich bekannt, ich bin da nur auf Sätze gestoßen wie „…war früher Weinhändler“ und „…berät Marriott oder so was“. Man findet bei Google 161 Ergebnisse wenn man nach ihm, Wein, Sommelier sucht. Die führen überwiegend zu seinen üppig zu findenden Verkostungsnotizen.

Zurück zur Frage „Woran erkennt man einen erstklassigen Wein?“. Die Antwort auf diese Frage findet man auch nicht auf der Homepage des Senders ebenso wenig wie auch nur ein Wort über ihn.

Was erwartet uns nun auf n-tv? Ich weiß es nicht. Nur ein „Unterhaltungsprogramm“ rund um Wein, oder fachliche Informationen?

Laut Mario Scheuermann kann man am kommenden Samstag, 29.11. um 18:30 Uhr lernen „wie schmeckt Moselwein eigentlich und was macht ihn so besonders? Wo bekommt man gute Moselweine?“, aber auch „die Herstellung von Moselweinen, darum, was beim Gärungsprozess zu beachten ist und welche Zutaten bzw. „Nichtzutaten“ das gewisse Etwas ausmachen“, na da sind wir doch alle mal gespannt auf Herr Liebert und andere „ausgemachte Experten“…

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